Rauchen im Film

Kinofilme mit Rauchszenen sind beste Werbung für Zigaretten. Im dunklen Saal hat das Publikum nur Augen für die Handlung auf der Leinwand. Die Bilder mit der Zigarette in der Hand der Heldin oder im Mundwinkel des Helden können sich ungestört in den Köpfen der Zuschauerinnen und Zuschauer verankern.

Nach dem Kinobesuch denkt die eine oder der andere, so schlimm könne das Rauchen wohl nicht sein. Denn Tabakszenen im Film blenden beharrlich alle Gesundheitsschäden des Zigarettenkonsums aus. Auf der Leinwand erstickt der Held nicht an einer Raucherlunge. Das Herz der Heldin hört nicht auf zu schlagen, weil Tabakrauch den Verschluss eines Blutgefässes verursacht.

Besser als jeder Werbespot

"Der Film ist besser als irgendein TV-Werbespot oder irgendeine Zeitschriftenanzeige, weil das Publikum sich in keiner Weise bewusst ist, wer als Sponsor dahintersteckt." Schon 1972 erkannte ein Präsident einer US-Filmproduktionsfirma die Werbewirkung von Rauchszenen und wollte für einen Thriller 500'000 US-Dollar vom Tabakkonzern R.J. Reynolds Tobacco Company. Dafür versprach er, alle Haupt- und Nebenfiguren im Thriller würden Zigarettenmarken von R.J. Reynolds rauchen.

Nach oben

9-Jährige betroffen

Das Mainstream-Kino ist einer der wichtigsten Kanäle, um jugendliche Raucherinnen und Raucher zu rekrutieren. Dies haben zehn Jahre wissenschaftlicher Forschung in den USA nachgewiesen. Neue Studien erhärten die bisherigen Forschungsresultate. Bereits Kinder und nicht nur Jugendliche beginnen vermehrt zu rauchen, je häufiger sie im Kino und auf Videos Tabakszenen sehen. In den USA untersuchte eine neue Studie, wie bei Mädchen und Knaben zwischen 9 und 12 Jahren das Anschauen von Tabakszenen sich auf das spätere Rauchverhalten in zwei Jahren auswirkte.

  • 2,3-mal grösser war das Risiko eines späteren Rauchbeginns bei Kindern, die den Tabakszenen am meisten ausgesetzt waren. Als Vergleich dienten Kinder, die am wenigsten Tabakszenen sahen.
  • Rund 80 Prozent der Tabakszenen bekamen die Kinder in Filmen zu sehen, die mehr oder weniger uneingeschränkt für Kinder zugelassen waren.

Bei 9- bis 12-Jährigen wirkt sich eine Exposition durch Filme mit Tabakszenen ebenso stark auf einen späteren Rauchbeginn aus wie eine Exposition unmittelbar vor Rauchbeginn. In dieser Altersgruppe sind Tabakszenen in Filmen für jede dritte Rauchkarriere verantwortlich.

Nach oben

Zum Beispiel Deutschland

Populäre Filme aus Hollywood sind weltweit in Kinosälen zu sehen oder im Videohandel zu kaufen Eine weitere neue Studie untersuchte, ob rauchende Stars aus US-Filmen in Deutschland 10- bis 16-Jährige ebenfalls dazu veranlassen, mit dem Rauchen anzufangen.

  • Kinder und Jugendliche, die den meisten Tabakszenen ausgesetzt waren, hatten ein 2-mal grösseres Risiko innerhalb von rund zwölf Monaten mit Rauchen zu beginnen.
  • Am stärksten wirkte sich dieser Einfluss bei den Kindern und Jugendlichen aus, deren Eltern nicht rauchten.

Nicht allein in den USA, sondern auch in anderen Kulturkreisen verführen populäre US-Filme Kinder und Jugendliche zum Rauchen.

Welche Kinofilme aus den USA stellen das Rauchen in ein glamouröses Licht? Welche zeigen auch Gesundheitsschäden des Rauchens? Welche sind frei von Tabakszenen? Eine Antwort auf diese Fragen lässt sich für eine Vielzahl von neuen und älteren Filmen online auf www.scenesmoking.org unter der Rubrik "Data" nachschauen.

Nach oben

Verzerrte Wirklichkeit

Rauchszenen in Filmen sind Tabakwerbung mit Langzeitwirkung. Läuft ein Film im Kino aus, folgt seine Vermarktung als Video und DVD. Diese kann Jahre oder gar Jahrzehnte dauern. Der Film "Casablanca" von 1942 mit dem nikotinsüchtigen Humphrey Bogard etwa steht noch heute in den Verkaufsregalen.

In den 1950er Jahren rauchten in der Schweiz mehr als 70 Prozent der Männer, 2006 hingegen nur noch 32 Prozent. In jeder Altersklasse sind heute die Nichtraucherinnen und Nichtraucher in der Mehrheit.

Filme verfälschen folglich die Wirklichkeit, wenn sie Tabakszenen ebenso häufig vorführen wie in den 1950er Jahren. So entsteht der falsche Eindruck, fast alle Leute würden rauchen.

Nach oben

Nikotinsüchtig: früher als gedacht

Wie schnell machen sich nach dem Experimentieren mit einer Zigarette die ersten Symptome einer Nikotinabhängigkeit bemerkbar? Auf diese Frage gibt eine kanadische Forschungsarbeit klare Antworten.

  • Innerhalb von drei Monaten inhalieren viele Jugendliche den Tabakrauch bis tief in die Lunge und rauchen die Zigarette bis zum Filter.
  • Innerhalb von zwei bis fünf Monaten verspüren viele ein starkes Verlangen nach der nächsten Zigarette.

Aber erst nach 18 Monaten greifen ebenso viele wöchentlich oder täglich zur Zigarette. Jugendliche werden also schon nach einigen wenigen Zigaretten nikotinsüchtig, lange bevor sie regelmässig zu rauchen beginnen.

Nach oben

Quellen

Linda Titus-Ernstoff et al., Longitudinal Study of Viewing Smoking in Movies and Initiation of Smoking by Children, in: Pediatrics 2008; 121: 15-21 www.pediatrics.org.

Reiner Hanewinkel and James D. Sargent, Exposure to Smoking in Internationally Distributed American Movies and Youth. Smoking in Germany: A Cross-cultural Cohort Study, in: Pediatrics 2008; 121: e108-e117.

André Gervais et al., Milestones in the natural course of onset of cigarette use among adolescents, in: Canadian medical Association Journal 2006; 175: 255-61 www.cmaj.ca.

The Legacy Tobacco Documents Library: Richards RP, We Are About To Go Into Production With The Motion Picture, "Run Sheep Run", A Suspense, Thriller, Set In Los Angeles, 19720825 (25. August 1972) http://legacy.library.ucsf.edu/tid/ylm89d00.

Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz
Text: Nicolas Broccard
Stand: Februar 2008

Nach oben