Rauchen im Film

12- bis 15-Jährige, die in Filmen viele Rauchszenen gesehen haben, probieren häufiger Zigaretten aus als Gleichaltrige, die wenigen Rauchszenen ausgesetzt waren. Eine wirksame Massnahme zur Tabaprävention ist deshalb, die Altersgrenze für Filme mit Tabakszenen hinaufzusetzen. Diese Forderung entspricht der internationalen Rahmenkonvention für Tabakkontrolle.

Besser als jeder Werbespot

"Der Film ist besser als irgendein TV-Werbespot oder irgendeine Zeitschriftenanzeige, weil das Publikum sich in keiner Weise bewusst ist, wer als Sponsor dahintersteckt." Schon 1972 erkannte der Präsident einer US-Filmproduktionsfirma die Werbewirkung von Rauchszenen und wollte für einen Thriller 500'000 US-Dollar vom Tabakkonzern R.J. Reynolds Tobacco Company. Dafür versprach er, alle Haupt- und Nebenfiguren im Thriller würden Zigarettenmarken von R.J. Reynolds rauchen.

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Der Zusammenhang ist eindeutig

Zwischen der Anzahl Rauchszenen, die Jugendliche in Filmen sehen, und der Wahrscheinlichkeit, mindestens einmal Zigaretten ausprobiert zu haben, besteht ein deutlicher Zusammenhang. Das belegt eine Studie aus sechs europäischen Ländern unter Leitung des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel.

Mehr als 16'000 Schülerinnen und Schüler zwischen 12 und 15 Jahren aus Deutschland, Island, Italien, den Niederlanden, Polen und Schottland beteiligten sich an der Umfrage von November 2009 bis Juni 2010. Insgesamt hatten 29 Prozent schon einmal geraucht. Sobald die Befragten aber hinsichtlich Anzahl der Tabakszenen in vier Gruppen eingeteilt werden, ergibt sich ein anderes Bild:

  • In der Gruppe derjenigen, die am wenigsten Tabakszenen ausgesetzt gewesen waren, hatten 14 Prozent geraucht.
  • In der zweiten und dritten Gruppe betrug der Anteil 21 und 29 Prozent.
  • Bei denen, die am meisten Rauchszenen gesehen hatten, hatten 36 Prozent Zigaretten ausprobiert. Diese Gruppe hatte gegenüber der ersten ein 1,7-mal grösseres Risiko geraucht zu haben.

In allen sechs Ländern zeigte sich eindeutig ein Zusammenhang zwischen der Zahl gesehener Tabakszenen und der Wahrscheinlichkeit, jemals geraucht zu haben. Ähnliche Studien aus Neuseeland, Mexiko und den USA kamen zum selben Resultat, ebenso wie der Bericht «Prävention des Tabakkonsums bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen» von 2012 der US-Gesundheitsbehörde. Das ist umso auffälliger, als in diesen Ländern der Stellenwert des Rauchens in der Gesellschaft und das politische Gewicht der Tabakkontrolle sehr unterschiedlich sind.

Fazit: Je mehr junge Menschen in Filmen Rauchszenen sehen, desto eher experimentieren sie selbst mit Zigaretten.

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Alterseinstufung von Filmen mit Rauchszenen

Die Altersgrenze für Filme hinaufzusetzen, die Tabakszenen beinhalten: das ist eine wirksame Massnahme, damit Jugendliche im Kino und vor dem Fernseher weniger solchen Szenen ausgesetzt sind. Die Resultate der Sechs-Länder-Studie sprechen klar für diese Massnahme.

Denn von den 250 erfolgreichsten Filmen aller sechs Länder aus den Jahren 2004 bis 2009 führten 71 Prozent mindestens eine Rauchszene vor. Und 98 Prozent dieser Filme waren für Jugendliche freigegeben.

Die internationale Rahmenkonvention für Tabakkontrolle verlangt in Artikel 13 ein umfassendes Verbot aller Formen von Werbung, Verkaufsförderung und Sponsoring für Tabakwaren. Das gilt auch für Unterhaltungsmedien wie Filme, Theatervorführungen oder Spiele. Bezüglich der Darstellung von Tabakprodukten in Unterhaltungsmedien empfehlen die Leitlinien zur Umsetzung von Artikel 13 besondere Massnahmen. Dazu gehören:

  • Bescheinigung, dass für die Verwendung von Tabakwaren weder Zahlungen noch andere Vorteile erhalten wurden,
  • Verbot von erkennbaren Tabakmarken oder -symbolen,
  • Vorschrift, am Anfang etwa eines Films für ein rauchfreies Leben zu werben,

  • Berücksichtigung der Darstellung von Tabakwaren bei der Alterseinstufung von Unterhaltungsmedien, sodass Tabakprodukte nur noch in Unterhaltungsmedien für Erwachsene vorkommen und in den Medien für Kinder nicht mehr zu sehen sind.

Inwieweit entsprechen Kinofilme aus den USA diesen Forderungen? Welche stellen die Zigarette in ein glamouröses Licht? Welche zeigen auch Gesundheitsschäden des Rauchens? Welche sind ohne Tabakszenen? Eine Antwort auf diese Fragen lässt sich für neue und ältere Filme online auf Öffnet externen Link im aktuellen Fensterwww.scenesmoking.org unter der Rubrik «Search Movies» nachschauen.

Auf die Rolle von Filmstars, die rauchen, geht ausserdem das Heft «Rauchen oder nicht? Gründe und Motive» aus der Reihe «Jugendliche und Rauchen» ein. Das pädagogische Hilfsmittel, herausgegeben von Sucht Info Schweiz und Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention, richtet sich an Lehrpersonen der Oberstufe und enthält Informationen zum Thema und Vorschläge zur Unterrichtsgestaltung.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterRauchen oder nicht? Gründe und Motive

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Verzerrte Wirklichkeit

Rauchszenen in Filmen sind Tabakwerbung mit Langzeitwirkung. Läuft ein Film im Kino aus, folgt seine Vermarktung als Video und DVD. Diese kann Jahre oder gar Jahrzehnte dauern. Der Film "Casablanca" von 1942 mit dem nikotinsüchtigen Humphrey Bogart etwa steht noch heute in den Verkaufsregalen.

In den 1950er Jahren rauchten in der Schweiz mehr als 70 Prozent der Männer, 2013 hingegen noch 25 Prozent. In jeder Altersklasse sind heute die Nichtraucherinnen und Nichtraucher in der Mehrheit.

Wenn Filme Tabakszenen so häufig vorführen wie in früheren Jahren, zeichnen sie ein schiefes Bild der Wirklichkeit. So entsteht der falsche Eindruck, auch heute würden unzählige Leute rauchen.

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Nikotinsüchtig: früher als gedacht

Wie schnell machen sich nach dem Experimentieren mit einer Zigarette die ersten Symptome einer Nikotinabhängigkeit bemerkbar? Auf diese Frage gibt eine kanadische Forschungsarbeit klare Antworten.

  • Innerhalb von drei Monaten inhalieren viele Jugendliche den Tabakrauch bis tief in die Lunge und rauchen die Zigarette bis zum Filter.
  • Innerhalb von zwei bis fünf Monaten verspüren viele ein starkes Verlangen nach der nächsten Zigarette.

Aber erst nach 18 Monaten greifen ebenso viele wöchentlich oder täglich zur Zigarette. Jugendliche werden also schon nach einigen wenigen Zigaretten nikotinsüchtig, lange bevor sie regelmässig zu rauchen beginnen.

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Quellen

The Legacy Tobacco Documents Library: Richards RP, We Are About To Go Into Production With The Motion Picture, «Run Sheep Run», A Suspense, Thriller, Set In Los Angeles, 19720825 (25. August 1972) Öffnet externen Link im aktuellen Fensterhttp://legacy.library.ucsf.edu/tid/ylm89d00.

Matthis Morgenstern et al., Smoking in movies and adolescent smoking: cross-cultural study in six European countries, in: Thorax 2011; 66 :875-883 Öffnet externen Link im aktuellen Fensterthorax.bmj.com. Siehe auch Öffnet externen Link im aktuellen Fensterwww.smokefreemovies-europe.eu für Filme in Europa und Öffnet externen Link im aktuellen Fensterwww.smokefreemovies.ucsf.edu für Filme in den USA.

World Health Organization, Guidelines for implementation of Article 13 of the WHO Framework Convention on Tobacco Control, Tobacco advertising, promotion and sponsorship, Öffnet externen Link im aktuellen Fensterwww.who.int/fctc/protocol/guidelines/adopted/en.

Surgeon General, Preventing Tobacco Use Among Youth and Young Adults: A Report of the Surgeon General, 2012 Öffnet externen Link im aktuellen Fensterwww.surgeongeneral.gov/library/reports/preventing-youth-tobacco-use/index.html

André Gervais et al., Milestones in the natural course of onset of cigarette use among adolescents, in: Canadian medical Association Journal 2006; 175: 255-61 Öffnet externen Link im aktuellen Fensterwww.cmaj.ca.

Herausgeberin: Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz
Text: Nicolas Broccard
Stand: Oktober 2012

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